Thema: Wasserkraft
Weltweit erstes kommerzielles Wellenkraftwerk
Die Voith Siemens Hydro Power Generation GmbH mit Sitz in Heidenheim errichtet in der nordspanischen Gemeinde Motrico das weltweit erste kommerziell betriebene Wellenkraftwerk.
Kunde des Wellenkraftwerks „Limpet“, das nach dem so genannten OWC-Prinzip der schwingenden Wassersäule (Oscillating Water Column) funktioniert, ist der baskische Energieversorger Ente Vasco de Energia, teilte Voith Siemens Hydro mit. Das Kürzel Limpet steht für „Locally Installed Marine Power Energy Transformer“.
Für David Gibb, Geschäftsführer von Wavegen, ist das in Motrico geplante Kraftwerk mit 300 kW Gesamtleistung ein großer Schritt zur kommerziellen Nutzung von Wellenenergie: „Wir entwickeln unsere Technologie ständig weiter und zeigen gleichzeitig, dass ein Betrieb unter realen Marktbedingungen jetzt möglich ist.“ Das Unternehmen Wavegen mit Sitz im schottischen Inverness, das seit 1990 mehrere Prototypen entwickelt hat, wurde im Mai 2005 von Voith Siemens Hydro übernommen.
Strom aus Wellenenergie soll in dem baskischen Küstenstädtchen Motrico ab dem Winter 2008/2009 erzeugt werden. „Um Kosten zu sparen ist geplant, das Kraftwerk in die Hafenmole zu integrieren, die von der lokalen Verwaltung neu errichtet wird“, erklärte Dr. Jochen Weilepp, Leiter des Bereichs Neue Energien bei Voith Siemens Hydro, auf Anfrage von powernews.org. Jede an das Ufer anrollende Welle drückt das in Betonzylindern befindliche Wasser nach oben und saugt es bei einem Wellental wieder heraus. Durch die schwingende Wassersäule wird die Luft in den Zylindern komprimiert und wieder angesaugt. Am oberen Ende der Betonröhren sind insgesamt 16 Wells-Turbinen mit 18,5 kW Einzelleistung eingebaut. Die Drehrichtung der mit Luftdruck angetriebenen Turbinen bleibt dabei konstant, obwohl der Luftstrom seine Richtung wechselt.
Mit der britischen RWE-Tochtergesellschaft npower renewables hatte Voith Siemens Hydro bereits im August 2006 ein Abkommen getroffen, um die Entwicklung des Wellenkraftwerks Limpet voranzutreiben. „Mit Hochdruck laufen die Planungen zum Bau eines Wellenkraftwerks mit 3,6 MW Leistung auf der Hebrideninsel Lewis vor der schottischen Westküste“, so Weilepp. Auch bei diesem Projekt soll die Kraftwerks-Technik in eine Küstenschutzmauer integriert werden.
In Deutschland will Voith Siemens Hydro gemeinsam mit der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) bis 2010 an der niedersächsischen Nordseeküste das erste deutsche Wellenkraftwerk in Betrieb nehmen. „Die avisierte Pilotgröße liegt dort bei einer Leistung von 250 kW und einer Jahres-Stromerzeugung von 400 MWh“, heißt es aus Heidenheim.
Im Bereich der Nutzung von Meeresströmungen und Wellen gibt es trotz der großen Potenziale bislang noch keine Marktreife Technik zur Stromerzeugung, erläutert Weilepp: „Wir befinden uns heute in etwa an dem Punkt, wo die Windkraft-Branche in den Achtziger Jahren stand.“
Autor: Michael Pecka
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