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Thema: Smart Metering

 

Smart Meter-Erfahrungen in Deutschland

Wie weit sind die Smart-Meter-Pilotprojekte in Deutschland? Hans Pipke und Hartmut Stiller* geben Auskunft.

Spätestens seit der mit der Novellierung des EnWG ausgelösten Liberalisierung des Messwesens und damit einhergehenden MessZV ist der Begriff Smart Metering in aller Munde; und das, obwohl im Gesetz und der Verordnung dieser Begriff nicht ein einziges Mal erwähnt wird sondern nur von „Messeinrichtungen, die dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln“ die Rede ist.

Allgemein wird der Begriff Smart Metering auf Haushalte und Kleingewerbe angewendet und beinhaltet die Zählerfernauslesung (AMR), die Steuerung eines großen Netzes, in dem die Zähler die Endgeräte darstellen (AMM) sowie die Möglichkeit zur bidirektionalen Kommunikation (AMI) zwischen Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Lieferant und Verbraucher.

Wirklich „smart“ wird Metering letztlich aber nur durch die auf Grundlage der eben beschriebenen technischen Möglichkeiten, dem Verbraucher Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Die Vorteile für Lieferanten und Verteilnetzbetreiber (VNB) wie Optimierung von Prozessen, Abrechnung, Netzsteuerung u. ä. findet auf den ersten drei Stufen statt. Ein Mehrwert für den Kunden ergibt sich letztlich erst durch die Inanspruchnahme der ihm von einem Lieferanten angebotenen Produkte und Dienstleistungen.

Die Bundesregierung setzt bei der Einführung auf den marktwirtschaftlichen Ansatz. Der neue §21b (2) EnWG, der jedem Anschlussnehmer die Möglichkeit eröffnet, seinen Messstellenbetreiber und Messdienstleister frei zu wählen, und die Verpflichtung nach §21b (3a) für die Netzbetreiber, ab. 1.1.2010 in allen Neubauten und bei großen Renovierungen intelligente Messeinrichtungen zu installieren, soll Smart Metering auch in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Indirekt befördert auch der §40 (2) EnWG, der den Verbrauchern das Recht auf unterjährige Rechnungen einräumt, die Einführung fernauslesbarer Zähler, auch wenn dort keinerlei Regelungen zu den Kosten getroffen wird. Mit dem EnWG Novelle 2008 setzt der Gesetzgeber zugleich die Richtlinie 2006/32/EG über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen um, die u.a. in Artikel 13 die Rechte der Verbraucher auf informative Abrechungen stärkt.

Energieeinsparungen durch Smart Metering

Hintergrund der europäischen Richtlinie sind die Ergebnisse einer Vielzahl von Studien, in denen der Einfluss von häufigerem und verständlicherem Kundenfeedback auf den privaten Endenergieverbrauch nachgewiesen wurde. Auch wenn bei näherer Betrachtung viele Studien methodische Schwächen aufweisen und die Voraussetzungen in den einzelnen Ländern und den untersuchten Situationen nicht ohne weiteres vergleichbar sind, so zeigt die Fülle der Untersuchungen eindeutig, das durch geeignete Rückmeldung das Verhalten der Verbraucher beeinflusst werden kann. Dabei kann der Kunde seinen aktuellen Energieverbrauch entweder sofort auf ein häusliches Display oder seinem Computer angezeigt bekommen, oder er bekommt die Informationen mit zeitlicher Verzögerung, dafür aber entsprechend aufbereitet. Letzteren Mechanismus greift der Gesetzgeber auf, indem er dem Kunden ein Wahlrecht auf eine häufigere Rechnung einräumt. Die  europäische Richtlinie erwähnt darüber hinaus explizit auch eine graphische Aufbereitung, weil nicht nur die Frequenz, sondern auch die Verständlichkeit des Feedback für die Beeinflussung des Verbraucherverhaltens ein bestimmender Faktor ist.

In Deutschland gibt es derzeit ca. 100 laufende oder bereits abgeschlossene Pilotprojekte, die in der Mehrzahl der Erprobung der neuen Technik dienen, um zumindest ab 1. 1. 2010 die Anforderungen des Gesetzgebers erfüllen zu können. Es werden Geräte unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Nach Anzahl der eingesetzten Geräte führen Echelon und Landis & Gyr im Segment Strom und Elster im Segment Gas. Eine Marktführerschaft eines Herstellers im Sinne eines dominierenden Standards ist momentan nicht auszumachen. Dementsprechend sind alle möglichen Konfigurationen anzutreffen. Während sich kleinere und mittlere Stadtwerke mit der am Markt angebotenen Technik, die oft vom Hauslieferanten der Zählerfernauslesung aus dem Großkundenbereich gestellt wird, zufrieden geben, haben größere EVU Lastenhefte aufgelegt, in denen die gewünschte Funktionalität des Gesamtsystems und der einzelnen Komponenten definiert wird.

Lediglich im Bereich Submetering scheint sich der M-Bus (am Kabel oder wireless) als Standard für die Anbindung von Gas- und Wasserzählern durchgesetzt zu haben.

Obwohl die Möglichkeit zur Energieeinsparung nicht im Vordergrund der Projekte steht, wurden dennoch Angaben von durchschnittlich 5 % erwarteter Einsparung beim Kunden gemacht. Für das Kundenfeedback wird üblicherweise ein Kundenportal mit der um einen Tag zeitverzögerten Anzeige des Verbrauchs angeboten, in dem auch die Möglichkeit von Vergleichsrechnungen besteht. Ergänzt wird dies durch die Möglichkeit zur monatlichen Abrechnung. In einigen Projekten (z. B. Stadtwerke Haßfurt, EWE) wird dem Kunden bereits sofortiges Feedback angeboten, bei dem der aktuelle Verbrauch in Echtzeit auf einem Display bereitgestellt wird.

Die aus der fehlenden Standardisierung resultierende Unsicherheit bezüglich der Kompatibilität und Interoperabilität der eingesetzten Geräte wird, zusammen mit noch nicht geklärten Verrechnung der Kosten über das Regulierungskonto, als Haupthemmnis für die Einführung von Smart Metering gesehen.

Da die Bundesnetzagentur vom Gesetzgeber keinen Auftrag hat, sich um die Standardisierung zu kümmern, bleibt es auch weiterhin den verschiedenen Gremien wie Open Metering Group oder BDEW überlassen, diese voranzubringen.

Ein Vorreiter bei der Einführung von Smart Metering

Wirklich produktiv ist Yello Strom mit seinem Sparzähler, von dem es nach eigenen Angaben momentan zwischen 100 und 200 Zähler am Tag verkauft, obwohl der Zähler deutlich teuerer als ein gewöhnlicher Haushaltszähler ist. Fast unbemerkt tritt Yello damit auch noch als unabhängiger, deutschlandweit agierender Messstellen-Betreiber auf und zeigt damit, dass es möglich ist, aus dem herkömmlichen „schwarzen Kasten“, der normalerweise im dunklen Keller seine Existenz fristet, ein frei verkäufliches Produkt zu machen.


Die Stadtwerke Haßfurt haben angekündigt, zwischen 2008 und 2012 sämtliche Stromzähler durch Smart Meter von Meterus ersetzen zu wollen, ohne dass den Kunden dadurch zusätzliche Kosten entstehen.


Die Bereitschaft des Kunden, für einen intelligenten Zähler mehr zu bezahlen, ist aktuell eher gering. Anders sieht die Sache aus, wenn der Kunde sich entsprechende Vorteile wie die Möglichkeit zur Energieeinsparung verspricht und das Produkt auch noch „sexy“ aussieht. Letztlich bedeutet dies, dass der eigentliche Treiber für Smart Metering der Vertrieb sein wird, weil nur der Vertrieb die Möglichkeit hat, dem Kunden Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die einen echten Mehrwert für ihn haben. Mit Elektromobilität und Smart Home werden derzeit zwei solche Produkte entwickelt, die  Smart Metering zum Durchbruch verhelfen könnten.  

*Autoren: Hans Pipke, Hartmut Stiller, Kema Consulting GmbH, Bonn

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  • Smart Metering
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