Thema: Energieeffizienz
Teamarbeit für Effizienz
Mit einer Energieversorgung auf Basis von KWK und mit tatkräftiger Mithilfe der Mitarbeiter senkt eine Akademie ihren Energie- und Wasserverbrauch.
Rund 16 000 Teilnehmer jährlich verzeichnet die Katholische Akademie in Bayern auf ihren Seminaren, Tagungen und Foren. Diesen Besuchern will man auch ein Beispiel für Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften geben, erläuterte Christian Sachs, der Umweltbeauftragter der Akademie, vor dem Arbeitskreis Energieeffizienz der IHK München.
Äußerer Anstoß für die zahlreichen Erneuerungs- und Verbesserungsmaßnahmen war wie so oft die Notwendigkeit, die Heizungsanlage auf dem Akademie-Gelände im Münchner Stadtteil Schwabing zu sanieren. Dort gehören zum Gebäudebestand des Bildungshauses in einem großen Park ein Bauernhaus aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert und das jetzige Hauptgebäude aus den sechziger Jahren. Die Akademie verfügt über eine eigene Küche, die Essen für Tagungen mit bis zu 1000 Besuchern bereitstellen kann und über 60 Gästezimmer für Übernachtungen.
40 % weniger Energiebedarf
Im Jahr 2001, als die Heizungssanierung anstand, setzte man sich ein großes Ziel: Bis zum Jahr 2010 sollten 40 % des Energiebedarfs eingespart werden. Dazu startete man zunächst eine umfangreiche Bestandsaufnahme auf dem weitläufigen Gelände, bei der unter anderem auch die täglich anfallende Wäschemenge gewogen wurde, erläuterte Sachs.
Installiert waren zur Wärmeversorgung damals vier Ölkessel, auch die Küche wurde aus diesen Kesseln mit Dampf versorgt. Die Sanierung startete mit einem neuen Energiekonzept für die Küche, das Induktionsherde und ein Lastmanagement vorsah, mit dem jeder Verbraucher zeitlich getaktet werden kann. Insgesamt sanken die Strombedarfs-Spitze der Küche von 130 auf 80 kW ab. Aber nicht nur die Spitzenleistung ging zurück, sondern auch der tatsächliche Stromverbrauch, erläuterte Sachs. Dazu trägt eine Schulung der Mitarbeiter bei, und die immer aktuelle Anzeige des Energie- und Wasserverbrauchs in der Küche.
Im Jahr 2003 folgte dann als nächste Sanierungs-Maßnahme die Modernisierung der Energiezentrale.
Installiert wurde ein Blockheizkraftwerk mit 34 kWel und 78 kWth; es wird ergänzt von einem Spitzenkessel. Die Wärme der KWK-Anlage kann im Sommer zur Beheizung der Waschmaschinen genutzt werden. Die elektrische Heizung in den Aggregaten hat Energiemanager Sachs stillgelegt.
Zuerst dämmen und Sonnenenergie nutzen
Ergänzt werden die Energiespar-Bemühungen durch den Umbau des Hauptgebäudes.
Dieses bekam große Glasfassaden zur passiven Solarenergienutzung, Fenster mit Wärmeschutzverglasung für die einzelnen Zimmer und eine moderne Gebäudeleittechnik mit Einzelraumregelung. Installiert wurde auch eine Fotovoltaik-Anlage einer maximalen Leistung von 6,7 kW. Deren Strommenge (jährlich etwa 5700 kWh) wird ins Netz der Stadtwerke München eingespeist, fällt aber bei einem Gesamtstromverbrauch der Akademie von zuletzt knapp 222 000 kWh kaum ins Gewicht.
Ab 2007 verbesserte Sachs die Kühlung des Tagungs-Zentrums durch eine Grundwasser-Kühlanlage, die eine Teilklimaanlage mit Wärmerückgewinnung im täglichen Betrieb unterstützt.
Mit ihr kann im Sommer die Zuluft zu den Räumen gekühlt werden. Die Energieeinsparung gegenüber einer herkömmlichen Klimaanlage beziffert Sachs mit 80 %.
Das Grundwasser wird seit letztem Jahr auch im Küchenbereich in neuen Kälteanlagen eingesetzt. Dadurch konnte man dort auf den Betrieb zweier großer Drehstromventilatoren verzichten.
Um die Einspar-Ziele zu erreichen, werden die technischen Maßnahmen durch eine Schulung der Mitarbeiter ergänzt.
In einem Arbeitskreis diskutiert man Energiespar-Maßnahmen und neue Ideen, erläuterte Sachs. Allein durch die verbesserte manuelle Regelung der Heizung im Schloss (in diesem konnten noch keine neuen Kesseln installiert werden) ließen sich dort etwa 20 % Öl einsparen. Um 11 % konnte der Stromverbrauch nur durch manuelles Abschalten von Standby-Funktionen gesenkt werden, freut sich der Umweltbeauftragte.
Ähnliches gilt für den Wasserverbrauch im Garten: Der sank um 30 % durch die Sensibilisierung der Gärtner und durch den Einbau von Wasseruhren, die die Menge des Gießwassers erfassen. Die Wasseruhren helfen gleichzeitig mit, die Abwassergebühren zu senken, denn für das Gießwasser in den Grünanlagen muss keine Abwassergebühr gezahlt werden.
Die wirtschaftlichste Maßnahme, die Effizienz bei der Energieversorgung der Akademie zu erhöhen, ist laut Sachs zweifellos das Blockheizkraftwerk. Die wärmegeführte Anlage half mit, den Strombezug von den Stadtwerken München zu halbieren.
Das BHKW produzierte 2007 mit 137 507 kWh sogar mehr elektrische Energie, als aus dem Stadtwerke-Netz bezogen wurde (120 320 kWh). KWK-Strom, der nicht auf dem Gelände verbraucht wird, wird ins Netz der Stadtwerke zurückgespeist.
Die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz waren bisher äußerst erfolgreich: Um 59 % sank der CO2-Ausstoß zwischen 2001 und 2007. Im gleichen Zeitraum ging der Energieverbrauch um 39 % zurück - das ursprünglich für 2010 gesteckte Ziel wurde also drei Jahre früher erreicht. Kein Grund für Umweltmanager Sachs, sich auszuruhen: Jetzt liegt die Einspar-Marke bis 2010 bei 50 %.
Autor: Armin Müller
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