Thema: Energiedatenmanagement/Beschaffung
"Wer Smart Metering verschläft, wird Probleme bekommen"
Warum das Thema Smart Metering ein wichtiger Baustein im Energiedaten-Management ist, erklärt Rudolf Laubinger, Geschäftsführer der Ensys Solutions.
E&M: Herr Laubinger, das Produkt-Portfolio von Ensys Solutions wurde um die Dienstleistung Smart Metering erweitert. Folgen Sie damit dem Zeitgeist?
Laubinger: Von der Kundenseite her bestand schon immer ein Interesse am Energiedaten-Management, aber natürlich ist es so, dass es ein neuer Trend ist. Wenn ein Unternehmen in der Energiewirtschaft das Thema Smart Metering verschläft wird es mittelfristig Probleme bekommen. Nichts anderes gilt im Übrigen auch für das bereits viel gängigere Thema Contracting. Allerdings ist Smart Metering für mich nur ein Teil des modernen Energiedaten-Managements.
E&M: Ab 2011 ist die Daten-Fernauslesung bei Industriekunden gesetzlich vorgeschrieben. Werden die technischen Probleme im Hinblick auf die unterschiedlichen Software-Anbieter gelöst sein?
Laubinger: Smart Metering steckt im Gegensatz zum Thema Contracting sicherlich noch in den Kinderschuhen. Und ein Problem ist, dass sich bundeseinheitlich noch kein Zähleranbieter durchgesetzt hat. Es gibt zwar hier und da Pilotprojekte, aber es besteht auch die Gefahr, dass ein Unternehmen investiert und am Ende setzt sich eine andere Lösung durch.
E&M: Wie positioniert sich Ensys Solutions dabei?
Laubinger: Wir haben einen Partner für die Messdaten-Auslesung gefunden und führen bereits ein Pilotprojekt durch. Aber es ist noch nicht absehbar, ob diese Zusammenarbeit auf lange Sicht in ein Joint Venture mündet.
E&M: In dem Software-Dschungel könnte doch sicherlich die jüngst vom VKU gestartete Plattform smartwerk.net hilfreich sein…
Laubinger: Mit Sicherheit. Die Branche ist an einigen Stellen schon dabei, das Thema intensiv voranzutreiben. Aber solche Plattformen, auf denen Fragen und Meinungen gebündelt werden, sind Gold wert. Ich wünsche mir, dass es noch mehr Initiativen gibt, um gemeinsam nach vorn schreiten zu können. Wenn jeder beim Thema Software sein eigenes Süppchen kocht, bringt das dem Smart Metering gar nichts.
E&M: Zu einem vollständigen Energiedaten-Management gehören auch andere Dienstleistungen wie Portfoliomanagement und Beschaffung. Ist es da hilfreich, diese Angebote unter dem Dach der Ensys-Gruppe gebündelt zu haben?
Laubinger: Die Ensys Solutions wird ihre Angebote immer selbstständig anbieten, aber natürlich ist es nicht ausgeschlossen, die Angebote zu kombinieren.
"Der Kunde lässt sich vor allem in der Krise sensibilisieren"
E&M: Das hört sich nach der ehemaligen RWE-Kapagne „Alles aus einer Hand“ an. Steht das nicht im Widerspruch zur Spezialisierung?
Laubinger: Alles aus einer Hand ist für mich der richtige Weg, allerdings darf es nicht intransparent sein. Der Kunde darf nicht das Gefühl haben, ein Rundumsorglos-Paket zu erhalten, bei dem er gar nichts mehr mitbekommt. Die Wertschöpfungsstufen Beschaffung, Lieferung, Controlling und Beratung müssen transparent und nachvollziehbar sein.
E&M: Wer wird sich denn im Rennen um die Kunden beim Smart Metering durchsetzen?
Laubinger: Ich befürchte, dass sich die großen Energieversorger im Privatkundengeschäft durchsetzen werden. Schon allein bei den Kosten für den Austausch der vielen Messgeräte stoßen kleine Anbieter an ihre Grenzen. Bei den Industrie- und Gewerbekunden sehe ich dagegen gute Chancen, weil es für den Kunden sinnvoll ist, diese Dienstleistung von seinem Stromlieferanten gleich mit zu bekommen.
E&M: Fällt es denn vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise schwer, die Kunden für das Smart Metering zu gewinnen?
Laubinger: Es ist auf den ersten Blick ein ungünstiger Zeitpunkt. Aber dem Kunden muss vermittelt werden, dass es dabei nicht nur um Smart Metering allein geht, sondern um ein Energie-Management – mit dem Ziel, die Effizienz zu erhöhen und die Energiekosten auf lange Sicht zu senken. Abgesehen davon lässt sich der Kunde vor allem in einer Wirtschaftskrise für den Wert transparenter Verbrauchsdaten sensibilisieren. Das gehört zu einer richtigen Betreuung des Kunden dazu.
Zur Person
Rudolf Laubinger ist seit August 2009 Geschäftsführer der Ensys Solutions GmbH, der 100-prozentigen Tochter der Frankfurter Ensys AG. Dort war er zuvor Leiter der Rechtsabteilung und soll in seiner neuen Position den Bereich Dienstleistungen ausbauen.
Autor: Andreas Kögler
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