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Thema: Contracting

 

Ökowärme für Mensch und Tier

Durch Einsparcontracting entlastet die MVV Energiedienstleistungen GmbH den Haushalt eines Forschungsinstitutes des Bundes in Berlin.


Das Versuchsgut Marienfelde des Berliner Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) ist ein Ort ländlicher Idylle in der Großstadt. Eingerahmt von schmucklosen Gewerbebauten, Hochhäusern und mehrspurigen Ausfallstraßen hat sich in Marienfelde, am südlichen Stadtrand von Berlin, ein alter Dorfkern mit einstöckigen brandenburgischen Bauerhäusern, dem Gasthof zur Linde, einer Backsteinkirche und dem ehemaligen Stadtgut Marienfelde, auf dem heute die BfR untergebracht ist, erhalten.


Das Bundesinstitut für Risikobewertung, hervorgegangen aus dem ehemaligen Bundesgesundheitsamt, berät das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Fragen rund um den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Wichtige Themen dabei sind Lebens- und Futtermittelsicherheit. Für die nötigen Versuche braucht man natürlich auch Schafe, Kühe und Schweine. „Tierhaltung von der Maus bis zur Milchkuh“, kann Stefanie Bannecke, Leiterin des Zentrums für experimentelle Tierhaltung, den Besuchern präsentieren. Die denkmalgeschützten Gebäude in Alt-Marienfelde beherbergen Forschungseinrichtungen mit Ställen, Behandlungsräumen und Labors, aber auch eine Schlachterei.


Ställe und Laborgebäude sind aber keine besonders exponierten Energieverbraucher. Die Ausgangsposition für ein Energieeinspar-Contracting war also nicht so gut. Von einer „niedrigen Baseline“ – lediglich 147 135 Euro Energiekosten pro Jahr, knapp 50 % für Strom, der Rest für Wärme – spricht Projektleiter Clemens Daase von der Berliner Niederlassung der MVV Energiedienstleistungen GmbH. „Da ist nicht viel Futter für Energieeinsparungen“, sagt er.

 

Holzhackschnitzelanlage als Besonderheit


Die Mannheimer waren dann auch – vermutlich weil das Projekt relativ klein ist und schwierig aussah – der einzige Contracting-Anbieter für Alt-Marienfelde.

„Wir hätten uns mehr Bieter gewünscht“, bekennt Rainer Gravert, Leiter Bau und Technik beim BfR.


Das sei eine Ausnahme, „normalerweise gibt es sechs bis acht Anbieter bei solchen Projekten“, entgegnet Stefan Scherz, Geschäftsführer der Berliner Niederlassung der MVV Energiedienstleistungen GmbH. „Wir haben mitgemacht, weil wir eine Hackschnitzelanlage bauen wollten“, kommt er gleich auf die Besonderheit der für das Versuchsgut gefundenen Contracting-Lösung zu sprechen.


Die zentrale Neuerung in Marienfelde ist eine Kesselanlage mit Holzhackschnitzelfeuerung und 150 kW Wärmeleistung. Besonderheit daran: Kessel und Hackschnitzelbunker sind in einem neuen unterirdischen Heizhaus, direkt neben einem denkmalgeschützten Stallgebäude untergebracht. Den Schornstein der neuen Feuerung wollten die Denkmalschützer nicht direkt neben dem alten Gebäude haben, er steht jetzt einige Meter von der Fassade entfernt. Dass er dadurch den Blick auf die Gebäude weniger stört, kann man nicht behaupten.


Der Hackschnitzelbunker fasst 150 m3, alle zehn bis 14 Tage liefert ein Lastwagen neuen Brennstoff. Die geschätzt benötigten 1 400 m3 Holz pro Jahr stammen aus brandenburgischen Forsten und müssen aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen, wie BfR-Technikchef Gravert anmerkt.


Die Holzfeuerung deckt den Wärmebedarf der BfR-Gebäude im Sommer vollständig und im Jahresschnitt etwa zur Hälfte. Die Anlage soll rund 7 000 Stunden pro Jahr laufen und den Erdgasverbrauch um etwa 70 Prozent reduzieren. Der CO2-Ausstoß verringere sich um 300 t pro Jahr, erklärt Projektleiter Daase. Die sechs Gaskessel, in denen bislang die gesamte Wärme für das Versuchsgut erzeugt wurde, laufen nur noch bei Bedarf.

 

Optimierte Lüftung spart Strom und Wärme


Die MVV-Berechnungen gingen davon aus, dass die Megawattstunde Wärme aus Hackschnitzeln etwa halb soviel kostet, wie wenn sie aus Erdgas produziert wird. Die unterirdische Heizanlage läuft bereits seit August 2008. „So kann es weitergehen“, fasst Technikchef Gravert erste Erfahrungen zusammen.


Der zweite wirksame Hebel zur Verringerung der Energiekosten des BfR-Versuchsgutes war die Optimierung der Raumlufttechnik. Insgesamt 60 Lüftungsanlagen haben die MVV-Experten bei der Bestandsaufnahme gezählt. Sie seien zwar technisch in gutem Zustand gewesen, berichtet Daase. Allerdings entfielen auf die Raumlufttechnik etwa 63 Prozent des Strom- und 42 Prozent des Wärmeverbrauchs. Lüftungen in Arbeitsräumen seien nachts gelaufen, Ställe seien auch belüftet worden, wenn sie leer waren, beschreibt Daase die Verhältnisse vor dem Einsatz der MVV-Contractingspezialisten.


Möglichkeiten für Verbesserungen, also für die Reduzierung des Strom- und Wärmeverbrauchs, boten die Verringerung der Laufzeiten der Anlagen und ein an die Nutzung angepasster Betrieb.

Und die haben die MVV-Spezialisten durch den Einbau von Anforderungstastern für die Lüftung von Umkleide- und Behandlungsräumen, die Anpassung der Betriebszeiten der Raumlufttechnik an die Nutzungszeiten der zu belüftenden Räume sowie die Installation von Intervallschaltungen genutzt.


Die Arbeit der Contracting-Spezialisten macht sich unter dem Strich deutlich bemerkbar.

Die MVV Energiedienstleistungen garantiert Energiekosteneinsparungen von 36 667 Euro pro Jahr – das sind 24,9 Prozent der bisherigen Gesamtkosten für Strom und Wärme.

 

Kostenentlastung durch Bundesmittel


Diesem Erfolg stehen 147 000 Euro Investitionen gegenüber. Dass der Haushalt der BfR ab sofort mit 8 800 Euro pro Jahr am Einsparerfolg partizipieren kann, ermöglicht eine Förderung des Contractingprojektes über das Programm der Bundesregierung zur energetischen Sanierung von Bundesgebäuden. Der Bund trägt 50 Prozent der Investitionen in Marienfelde. „Ohne Förderung wäre in den ersten zehn Jahren keine Haushaltsentlastung für das BfR möglich gewesen“, so Projektleiter Daase.


Nun kommen dem BfR-Versuchsgut aber neben der ohne eigene Investitionen geschaffenen, ökologisch anspruchsvollen neuen Wärmeversorgung und einer modernisierten Lüftungsanlage auch noch eine sofortige Haushaltsentlastung zu Gute. Das Institut könne dabei von der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Erdgas- und Holzpreis profitieren, betont Michael Lowak, Geschäftsführer der MVV Dienstleistungen GmbH, die Vorzüge des Contractings. Nach dem Ende der Vertragslaufzeit, also ab dem elften Jahr, profitiere die BfR sogar von der vollen Einsparung.


Die Kühe in Marienfelde sind jedenfalls zufrieden mit der effizienteren Belüftung ihrer Ställe. Sie sehen so aus, als würden sie die Idylle in der Großstadt weiter genießen.

 

Das Projekt Gut Marienfelde

Investitionen: 145 000 Euro

Leistungen: Holzhackschnitzel-Kessel von Lindner & Sommerauer Heizanlagenbau; Optimierung der Lüftungsanlagen und Gebäudeleittechnik; Energiecontrolling

Einsparungen: 25 % der Energiekosten

Betreiber: MVV Dienstleistungen GmbH

Besonderheit: unterirdisches Heizhaus; Berücksichtigung von Denkmalschutzaspekten

Autor: Peter Focht

Tags

  • Einsparcontracting
  • Contractingprojekt
  • Contracting
  • Contracting Spezialisten
  • Raumlufttechnik
  • Holzhackschnitzelfeuerung
  • nachhaltige Waldbewirtschaftung








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