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Thema: CCS - Co2-SpeicherungRWE bekommt Gegenwind von der KüsteBei der Erkundung potenzieller geologischer Speicherformationen für die CO2-Einlagerung stößt der Energiekonzern RWE in Schleswig-Holstein auf Widerstand.
CO2-Austritt „sehr unwahrscheinlich“
Es sind die Befürchtungen eines plötzlichen Gasaustritts, die Gefährdung des Trinkwassers und der Wunsch nach einer nachhaltigen Energieerzeugung, der die Menschen im Norden umtreibt und gegen die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) auf die Straße bringt. Für Felix Christian Matthes vom Berliner Öko-Institut sind Unfälle wie die CO2-Ausgasung des Nyos-Sees in Kamerun, bei der vor 23 Jahren auf einen Schlag 1,6 Mio. t CO2 freigesetzt wurden und mehr als 1 700 Menschen und über 2 000 Tiere in einem Umkreis von 30 km starben, „keine Referenzen für CCS“. Auch der Geologe Andreas Dahmke vom Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel hält einen CO2-Austritt für „sehr unwahrscheinlich“, da ein Aufstieg des Treibhausgases mehrere hundert Jahre dauern würde. Ebenso sei die Diffusion von CO2 ins Grundwasser ein zu langer Prozess, meint der Geologe. Dahmke sieht allerdings die Möglichkeit, dass durch die CO2-Injektion in den Untergrund salinare Wässer nach oben verpresst werden und dort zu einer Gefährdung des Grundwassers führen können. Das Hauptaufgabenfeld für die Projektbeteiligten sei deshalb der Aufbau eines verlässlichen Monitoringsystems, um auf Druckveränderungen im Untergrund frühzeitig reagieren zu können. Dem Argument, die Speicherformationen lieber als Druckluftspeicher für überschüssigen Windstrom zu nutzen, entgegnete Dahmke, dass für Druckluftspeicher Salzkavernen wesentlich besser geeignet sind. Die in Schleswig-Holstein vorhandenen salinen Aquiferen sind als Druckluftspeicher nur „dritte oder vierte Wahl“, so der Geologe.
CCS ist „Feigenblatt für Kohlestrategie“
Dagegen argumentierte Matthes, dass bei einem deutlichen Ausbau der Windenergie nicht auf Komplementärkraftwerke verzichtet werden könne. Selbst bei einer Stromerzeugungsleistung von 60 000 MW aus Wind würden die vorzuhaltenden Gaskraftwerke 50 Mio. t CO2 jährlich produzieren. „Diese können in einer dekarbonisierten Gesellschaft nicht verbleiben“, mahnte Matthes. Für ihn ist CCS eine Übergangsnutzung mit einer begrenzten Speicherkapazität. CCS ist „keine endgültige Lösung, aber wir können damit Zeit und vor allem Lösungen kaufen, die wir im Moment nicht haben“, sagte Matthes. Insbesondere für die prozeßbedingten Emissionen biete CCS einige Optionen. Aus der Stahl- und Eisenindustrie, den Zementwerken und der Aluminiumproduktion etwa seien derzeit 80 Mio. t CO2 nicht wegzukriegen. „Wer sagt, auf CCS könne verzichtet werden, der müsse darauf eine Antwort finden“, bekräftigte der Forschungs-Koordinator für Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts immer wieder.
CCS ist keine endgültige Lösung
100 Mio. t CO2 sollen gelagert werden
2,4 Mio. t Kohlendioxid soll die geplante Pipeline mit einem Durchmesser von 16 Zoll jährlich von Hürth nach Nordfriesland transportieren, erklärte Heiko Oppermann und kalkulierte die zu speichernde Menge Kohlendioxid aufgrund einer 40jährigen Betriebsdauer für das Kraftwerk Hürth auf rund 100 Mio. t CO2. Zugleich verwies der Leiter des CO2-Projektes von RWE Dea aber auch immer wieder darauf, dass der Gesetzgeber einen diskriminierungsfreien Zugang zur Pipeline und den Speichern vorschreibe. Die Hamburger Öl- und Gastochter des Essener Energiekonzerns wird die seismischen Erkundungsuntersuchungen durchführen. Nachdem aufgrund der vorhandenen Datenbasis eine Vorerkundung und eine CO2-Injektion im Computermodell erfolgt sei, müssten diese Erkenntnisse nun durch seismische Untersuchungen verifiziert werden, erklärte Oppermann und verwies darauf, dass das nördliche Schleswig-Holstein für die CO2-Speicherung besser geeignet ist als Ostholstein.
Autor: Kai Eckert |
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