Sitemap
Seite durchsuchen
Seite drucken
powernews.org kostenlos testen!
Einloggen in powernews.org
HomeEnergie News | Energie NachrichtenSpotchartsVertriebs-MonitoreE&M Power-LinksFree ArchiveGlossarE&M-SchnupperkursPayPerNewsProfilPublikationenStudienShopDienstleistungenMediadatenKontaktImpressummyE&MStellenmarktTermine / enerCAL
HomeEnergie News | Energie NachrichtenSpotchartsVertriebs-MonitoreE&M Power-LinksFree ArchiveGlossarE&M-SchnupperkursPayPerNewsProfilPublikationenStudienShopDienstleistungenMediadatenKontaktImpressummyE&MStellenmarktTermine / enerCAL
Finden Sie alle Inhalte aus
E&M / powernews.org

Thema: Biomasse / Bioenergien

 Erste Ernte im Energiewald

In Deutschland werden zunehmend Kurzumtriebsplantagen zur Gewinnung von Energieholz angelegt. Doch die Landwirte kämpfen mit wirtschaftlichen und rechtlichen Problemen.


Auf einem Kongress zum Thema Energieholzplantagen am 11. und 12. Februar in Berlin sprach Gerd Krieger von einem Entwicklungshemmnis im Bereich der Holzenergie. Die unsichere Versorgung mit Holzhackschnitzeln lasse viele potentielle Anlagenbetreiber vor großen Investitionen zurückschrecken und beeinträchtige damit auch den Anlagenbau, so der stellvertretende Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Power Systems im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Die Teilnehmer der von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) organisierten Veranstaltung waren sich schließlich einig, dass Holz aus Kurzumtriebsplantagen künftig eine unverzichtbare Ergänzung zum Wald- und Sägerestholz sein wird.


Während im Dreieck zwischen Cottbus, Welzow und Spremberg große Abraumbagger die im Sand begrabene Braunkohle fördern, sollen ehemals genutzte Tagebauflächen wieder als Wirtschaftsressource für kommende Generationen gestaltet werden. In der Bergbaufolgelandschaft des Lausitzer Braunkohlereviers führt der Vattenfall-Konzern seit 1995 Anbauversuche mit schnellwachsenden Hölzern durch. Auf einer Fläche von insgesamt 170 ha wurden Tausende Robinien, Weiden und Pappeln gepflanzt.


Im Tagebau Welzow-Süd wurden Mitte Januar erstmals Robinien geerntet, die in den vergangenen vier Jahren heranwuchsen. „Wir haben auf einer Teilfläche insgesamt 240 Tonnen Frischholz geerntet, der Hektarertrag lag bei 21,5 Tonnen“, freut sich Gerhard Rösch von der Landwirte GmbH Terpe-Proschim, die die Fläche in Eigenregie bewirtschaftet. Erwartet hatten die Bauern einen Ertrag von 16 bis 18 t je Hektar. Teile der Holzmengen wurden direkt zu einem Heizwerk in Calau transportiert sowie zum Biomasse-Heizkraftwerk in Sellessen, das Vattenfall bislang mit Landschaftspflegeholz aus dem Tagebau beschickt.


Der Anbau von Robinien wurde vom Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung der Brandenburgischen TU Cottbus empfohlen, der Vattenfall wissenschaftlich unterstützt. „Robinien kommen gut mit der fehlenden Wasserverfügbarkeit auf den Kippenstandorten zurecht und erzielten bei den bisherigen Untersuchungen den höchsten Massezuwachs“, betont Doris Wüstenhagen, die bei Vattenfall Europe Mining AG in Cottbus für das Projekt zuständig ist. Zudem erhofft sich der Energiekonzern eine Rekultivierung der Tagebauflächen. Denn im Vergleich zu einjährigen Energiepflanzen im Ackerbau sollen Kurzumtriebsplantagen die Kohlenstoffspeicherung im Boden erhöhen und Nährstoffauswaschung sowie Erosion vermindern. Zudem ist bei Energieholzplantagen die Bewirtschaftungsintensität deutlich geringer und Bodenbearbeitung sowie Herbizideinsatz beschränken sich auf das erste Standjahr.


Landwirt Rösch hat zwar mehr Energieholz geerntet als ursprünglich erwartet, der Anbau ist nach seiner Aussage „bislang aber noch nicht wirtschaftlich“. Das Anlegen und die Ernte der Kurzumtriebsplantage machen den größten Anteil der Gesamtkosten aus – hier gebe es noch Optimierungspotenzial. Laut Christine Knust werden pro Hektar etwa 10 000 Stecklinge maschinell eingepflanzt, die zwischen 20 und 25 Cent kosten. Ein wirtschaftlich attraktives Ergebnis kann erzielt werden, „wenn bei moderaten Anfangsinvestitionen mindestens ein jährlicher Ertrag von acht Tonnen trockene Biomasse erreicht wird“, schätzt die Koordinatorin des Energieholz-Projektes „Agrowood“ am Institut für internationale Forst- und Holzwirtschaft der TU Dresden. Der Verkaufspreis für Biomasse aus Kurzumtriebsplantagen – bezogen auf die Trockensubstanz – müsste ihrer Ansicht nach bei 80 Euro/t liegen. Der feuchte Brennstoff aus dem Tagebau Welzow-Süd wird nach Angaben von Vattenfall derzeit für 33 Euro/t gehandelt.

Kostenintensiv ist das Anlegen und die Ernte

Mit einem Wassergehalt von 50 bis 55 % stellen Holzhackschnitzel aus Kurzumtriebsplantagen einen Brennstoff mit geringem Heizwert dar, der bei der Lagerung zudem instabil ist. Eine kostengünstige Lösung zur Trocknung stellt laut Knust das so genannte Dombelüftungsverfahren dar, bei dem die Selbsterwärmung des Holzes genutzt wird, um eine Luftströmung durch den Hackschnitzelhaufen in Gang zu setzen. Der Luftstrom wird durch waagrecht angeordnete Zuluftkanäle und in der Mitte des Haufens stehende Abluftdome gesteuert. „Auf diese Weise wird eine Reduktion des Wassergehalts auf deutlich unter 30 Prozent innerhalb von acht bis zehn Wochen erreicht“, erläutert die Wissenschaftlerin.


Der Landwirte GmbH Terpe-Proschim schwebt allerdings weniger Trocknungsverfahren vor, um das Biomasse-Geschäft anzukurbeln. Rösch will künftig die Schnittzeitpunkte verkürzen und „bereits in zwei Jahren wieder Robinien ernten“. Laut Knust kann in der zweiten Rotationsperiode mit einem Anstieg der Zuwachsleistung und damit der Erntemengen gerechnet werden: „Das ist mit dem kräftig entwickelten Wurzelsystem sowie der größeren Anzahl von Austrieben je Stock zu erklären.“ Grundsätzlich hänge die Zuwachsleistung einer Energieholzplantage vom Wasserangebot auf der Fläche, der Bestandsdichte und dem Alter der Austriebe ab. „Wir gehen davon aus, dass bis zu sieben Mal abgeerntet werden kann, bevor die Wachstumsleistung der Bäume zurückgeht“, so Knust.


Um die Wiederausschlagsfähigkeit der Baumbestände zu gewährleisten, finde die Holzernte immer außerhalb der Vegetationszeit statt. Da die Bäume im Winter zudem trockener seien, ist die zu transportierende Biomasse leichter und bei der Verbrennung falle weniger Asche und Schlacke an.

Förderung für Kurzumtriebsplantagen

Nach Angaben der DLG zeigen die bisherigen Erfahrungen aus Dänemark, Polen, Schweden und Italien die geringe Rentabilität von Kurzumtriebsplantagen im Vergleich zur ackerbaulichen Nutzung. In all diesen Ländern gibt es deshalb Förderprogramme, die entweder von Versorgern, den Betreibern von Biomasseanlagen oder direkt vom Staat finanziert werden, hieß es auf dem Berliner Energieholz-Kongress. „Würde die öffentliche Hand beispielsweise jeden zusätzlich angelegten Hektar einer Kurzumtriebsplantage pauschal mit 1 000 Euro unterstützen, könnte die derzeitige Fläche in Deutschland von rund 1 000 Hektar verdoppelt werden“, so die DLG. Im Rahmen der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde zwar der zusätzlich zur Grundvergütung gewährte Bonus für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe (Nawaro) bei der Verbrennung von Holz auf 2,5 Cent/kWh abgesenkt. Ausgenommen wurde dabei jedoch Biomasse aus Kurzumtriebsplantagen (oder der Landschaftspflege), deren Verstromung seit Jahresanfang 2009 mit 4 Cent/kWh vergütet wird.


Kritisch wird neben der Wirtschaftlichkeit aber auch die gesetzliche Grundlage zum Anbau von schnellwachsendem Gehölz gesehen. Kurzumtriebsplantagen sind noch nicht vom Waldbegriff in §2 des Bundeswaldgesetzes ausgenommen, sondern über einen Umweg im EU-Agrarrecht (dem so genannten Gleichstellungsgesetz) anderen landwirtschaftlichen Flächen gleichgestellt. Das gilt laut Knust, wenn vor 2008 im Rahmen der Pflichtstilllegung angebaut wurde oder wenn für die Flächen die Energiepflanzenprämie beantragt wurde. Im Zuge der geplanten Novellierung des Bundeswaldgesetzes fordert daher auch der Bundesverband Bioenergie (BBE) dringend eine Nachbesserung der Definition von Wald – also eine Ausnahme der Kurzumtriebsplantagen vom Waldbegriff. „Schnellwachsende Baumarten dürfen zukünftig im Bundeswaldgesetz nicht wie bisher als Wald, sondern müssen als landwirtschaftliche Produktionsfläche deklariert werden“, fordert der BBE. Andernfalls würde die Landwirtschaft mangels fehlender Flexibilität nicht in dieses Produktionssegment investieren. Einige holzverbrauchende Unternehmen in Deutschland lassen sich von alledem aber offenbar nicht abschrecken. Unter anderem hat die Viessmann GmbH eine 200 ha-Plantage angelegt, der RWE-Konzern plant – nicht nur in Deutschland - eine Fläche von 10 000 ha und die Choren AG will bis 2020 auf etwa 40 000 ha schnellwachsende Hölzer zur Herstellung von synthetischen Biokraftstoffen anbauen.

Autor: Michael Pecka

Tags

  • Schnellwachsende Hölzer zur Herstellung von synthetischen Biokraftstoffen
  • Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)
  • Rentabilität von Kurzumtriebsplantagen
  • Dombelüftungsverfahren
  • Holzhackschnitzel








Der Energieblog