![]() |
![]() |
|
Thema: BHKW des Monats
BHKW-Musteranlage: Späte ErneuerungErst die Anfang 2009 verbesserten Rahmenbedingungen haben es möglich gemacht, ein im Maritim Berghotel Braunlage 2006 stillgelegtes BHKW durch ein neues zu ersetzen. Mit der ruhigen Lage auf einer Anhöhe am Rand eines Kur- und Wintersportortes mitten im Nationalpark Harz wirbt das Maritim Berghotel Braunlage um Gäste. Der Gebirgsstandort 700 m über Meereshöhe ist allerdings auch eine „kalte Ecke“, was die ohnehin nicht geringe Energierechnung der Nobelherberge mit ihren 309 Betten, einem Außen- und Hallenschwimmbad sowie einem Spa-Bereich mit Sauna- und Solarium zusätzlich belastet. Für das Blockheizkraftwerk, das die Essener favis GmbH als Contractor in dem Berghotel Ende Juli in Betrieb genommen hat, sind die langen Harz-Winter aber ein Vorteil, weil sie eine gute Auslastung der Anlage ermöglichen. Das mit einem MAN-Gasmotor ausgerüstete BHKW-Modul der Sokratherm GmbH & Co. KG Energie- und Wärmetechnik aus Hiddenhausen, das nach einer begrenzten Ausschreibung Anfang 2009 ausgewählt wurde, hat in Braunlage eine wegen der extremen geodätischen Höhe eine von 140 auf 130 kW reduzierte elektrische Leistung. Die Wärmeleistung beziffert der Hersteller mit 201 kW, den elektrischen Wirkungsgrad mit 35 Prozent und den gesamten Brennstoffnutzungsgrad mit 91 Prozent. Mit diesen Leistungsdaten haben die Ingenieure des Energiedienstleisters anhand der aus der Gasversorgung bekannten stündlichen Lastkurven einen jährlichen BHKW-Einsatz von mindestens 6 000 Volllastbetriebsstunden berechnet. Damit wird das BHKW rund 40 Prozent des Wärmebedarfs des Objekts decken. Den Rest liefert weiter der vorhandene Gaskessel, den die favis vom Hotel gemietet hat. Der Energiedienstleister war bereits vor der Installation des BHKW der Nutzwärmelieferant; einen diesbezüglichen Rahmenvertrag hat die favis schon 2005 mit der Maritim-Gruppe geschlossen. Deren 44 Hotels in Deutschland beraten die Essener außerdem bei der Strombeschaffung und bei Fragen der Optimierung der Energietechnik. Wirtschaftlichkeit durch KWK-Förderung abgesichertDer in dem Braunlager BHKW mit produzierte Strom wird weitgehend im Haus verbraucht und kann daher mit den vermiedenen Bezugskosten bewertet werden. Nur geringe Überschüsse werden für die vom KWK-Index der Leipziger Strombörse EEX abhängige Einspeisevergütung ans Netz abgegeben. Ob die KWK-Anlage gegenüber der getrennten Versorgung nicht nur höhere Energieeffizienz erreicht, sondern auch wirtschaftlich ist, hängt stark von der unsicheren Entwicklung der Strom- und Gaspreise ab. Dieses Risiko abzufedern hilft das novellierte KWK-Gesetz, mit dem ab 1. Januar 2009 auch für den eigengenutzten KWK-Strom dem BHKW-Betreiber ein Bonus zugestanden wird. Die Förderung, die der Netzbetreiber sechs Jahre lang, maximal aber für 30 000 Vollbenutzungsstunden zahlt, beträgt 5,11 Ct/kWh für die ersten 50 kW und 2,1 Ct/kWh für die restlichen 80 kW elektrischer Leistung des BHKW. So kann der Contractor davon ausgehen, dass sich die Netto-Investition von 140 000 Euro etwa in fünf Jahren amortisieren wird. Gleichzeitig kann das Berghotel im Rahmen des auf 15 Jahre geschlossenen Contractingvertrags seine Energiekosten um rund 10 Prozent reduzieren.
Die baulichen Restriktionen werden wohl auch mit darüber entscheiden, in welchen weiteren Maritim-Häusern die favis in der nächsten Zeit BHKW installieren wird. Die Leitung der Hotelgruppe räumt der Optimierung der Energieversorgung jedenfalls hohe Priorität ein: Dr. Monika Gommolla, Gesellschafterin der Maritim Hotelgesellschaft mbH, trägt schließlich als Präsidiumsmitglied des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband) eine vom Umweltbundesamt geförderte „Energiekampagne Gastgewerbe“ mit. Zu dieser gehört ein Internetauftritt, bei dem mit „Energie-Sparblättern“ auch gezielt für den Einsatz von Blockheizkraftwerken geworben wird. Die Anlage auf einen BlickStandort: Maritim Berghotel Braunlage Investor und Betreiber: favis GmbH, Essen Besonderheit: BHKW-Pilotprojekt für die favis in der Maritim-Hotelgruppe Anlage: BHKW-Modul der Sokratherm GmbH & Co. KG Energie- und Wärmetechnik, Hiddenhausen, mit einer wegen der Aufstellhöhe von 700 m über Meereshöhe reduzierten Leistung von 130 kWel und 201 kWth Umweltschutz: Spezifischer CO2-Ausstoß der KWK-Stromerzeugung ca. 230 g/kWh (Gud-Benchmark 365 g/kWhel) Wirtschaftlichkeit: Netto-Investition von 140 000 Euro amortisiert sich in rund fünf Jahren Auskunft: Andreas Johann, Tel. 02 01/87 78 69 319, andreas.johann@favis-gmbh.de; Jan-Paul Speer, Tel. 0 52 21/96 21 0, j.speer@sokratherm.de Autor: Jan Mühlstein |
||
![]() |
![]() |








